Stiftung St. Matthaeus

Wi ken ich zingen?

W. Hagen (Lieder aus Ravensbrück und aus dem »Jiddischen Liederbuch«) und G. Klein (Sonate für Klavier)

Berliner Frauen-Vokalensemble; Liana Narubina, Klavier; Stefano Macor, Viola; Lothar Knappe, Leitung

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Eintritt 10 €, ermäßigt 7 €

Mit seinem Konzert am 75. Jahrestag der Novemberpogrome möchte das Berliner Frauen-Vokalensemble einen Beitrag zur Erinnerung leisten. Im Programm steht zu Beginn eine Auswahl aus dem Zyklus „Jiddisches Liederbuch“, den Werner Hans Hagen 1999 geschrieben hat: Traditionelle jiddische Lieder, eingerichtet für Frauenstimmen und Viola.

Ein Mahnmal zur Erinnerung an Zehntausende, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück den Tod fanden, nennt der Hamburger Komponist Werner Hans Hagen seinen 1997 geschriebenen Zyklus „Lieder aus Ravensbrück“ für Frauenstimmen und Viola, Vertonungen von Gedichten von Frauen, die in Ravensbrück inhaftiert waren, umrahmt von biblischen Texten (aus dem Buch Hiob) und aus Jizchak Katzenelson: Das Lied vom letzten Juden.
Die Klaviersonate schrieb der tschechisch-jüdische Komponist und Pianist Gideon Klein, der im Januar 1945 in einem Außenlager von Auschwitz in den Kohlengruben unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, 1943 im KZ Theresienstadt. „Im Zentrum des Werkes steht der 3.Satz, eine Elegie, die sich in der Mitte gewaltig steigert zu der Anklage: „Was hab ich euch allen getan?“ und „O Mutter, wann siehst du mich frei.“ Der 3. Satz wird umrahmt von zwei bewegten Sätzen in Scherzoform: „Die Laus“ (2. Satz), einem ironischen, sarkastischen Text und „Ich warte auf Post“ (4. Satz), in dem die Viola die Ungeduld der Ich-Person charakterisiert.
Der groß angelegte 1. Satz „Leid und Trost“ beschreibt in seinen langen Phrasen das unendliche Leid und die Einsamkeit und schildert in seinem anschließenden bewegten Teil Zuversicht und Hoffnung. Im letzten Satz wird die Hoffnung auf Frieden unterbrochen durch das Bewusstwerden der grausamen, verzweifelten Realität (Der Gesang geht ins Sprechen über), direkt daran anschließend choralartig ein Text des Trostes.
Umrahmt wird das Werk durch ein Zitat des Buches Hiob (es geht auch manchen Sätzen voran). Dabei wird der Text verschieden interpretiert; Als Aufschrei, erregte Klage, Seufzer, im Flüsterton, stockend und am Ende sich ewig repetierend“. (Werner Hagen)

2007 richtete die Stiftung St. Matthäus an den israelischen Künstler Micha Ullman die Anfrage, ob er bereit sein könnte mit einer Bodenarbeit in der St. Matthäus-Kirche ein Zeichen zu setzen, das der Versöhnung zwischen Juden und Christen dient. Kein anderer als er könnte mit seiner stillen, minimalistischen, immer am Boden bleibenden Arbeit für diese Aufgabe ansprechbar sein, entschied das Kuratorium der Stiftung. »Mit seinen Arbeiten in Berlin setzt Micha Ullman als Heiler der schrecklichen Vergangenheit Deutschlands Akupunkturpunkte, um positive Energieflüsse zu aktivieren und so aus dem Kreislauf der Verbrechen, die die Nazis mit der Shoa angerichtet haben, auszubrechen.« schrieb der Berliner Kunstsammler Dieter Rosenkranz zu diesen Überlegungen. Zur großen Freude nahm Micha Ullman die Einladung umgehend an, zahlreiche Besuche in der Kirche und Gespräche folgten. Im Herbst 2012 wurde die Boden-Skulptur »Stufen« im linken vorderen Seitenschiff der Kirche errichtet.

Das Berliner Themenjahr 2013 “Zerstörte Vielfalt“ will an die Menschen zu erinnern, die Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Berlin prägten und der Ausgrenzung, Vertreibung oder Deportation durch die Nationalsozialisten zum Opfer fielen.