Stiftung St. Matthaeus

Kris Martin: Phoenix

3. März bis 18. April 2022, St. Matthäus-Kirche im Berliner Kulturforum
Eröffnung am 2. März 2022 um 18 Uhr im Rahmen des Ökumenischen Aschermittwoch der Künstler

Kris Martin schreibt an die Wand in der Apsis © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
Das Wort "HUMAN" an der Wand in der Apsis © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
Kris Martin schreibt an die Wand in der Apsis © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
Schmelztiegel (Vordergrund) und Film über die Herstellung der Asche in der Sakristei (Hintergrund) von Kobe Wens © Kris Martin/Kobe Wens, Foto: Leo Seidel
Film über die Herstellung der Asche © Kobe Wens, Foto: Leo Seidel
Film über die Herstellung der Asche © Kobe Wens, Foto: Leo Seidel
Worte an den Emporenbrüstungen © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
Mit Asche geschriebene Worte an den Emporenbrüstungen © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
Mit Asche geschriebene Worte an den Emporenbrüstungen © Kris Martin, Foto: Leo Seidel
© Kris Martin

Pressevorbesichtigung mit Kris Martin: Mittwoch, 2. März 2022, 11 Uhr
Akkreditierung unter info@stiftung-stmatthaeus.de

Vom 3. März bis 18. April 2022 – in der Passionszeit bis kurz nach Ostern – zeigt die Stiftung St. Matthäus die Rauminstallation „Phoenix“ des belgischen Künstlers Kris Martin: Der aus seiner Asche wieder auferstehende mythologische Vogel Phönix steht für die Möglichkeit neuen Lebens auch nach dem Tod. Die ausschließlich aus Worten bestehende Asche-Arbeit versteht sich als Beitrag zum 500. Jahrestag des reformatorischen Bilderstreits, der zum Beginn der Passionszeit 1522 in Wittenberg begann. Zur Eröffnung im Rahmen des Ökumenischen Aschermittwochs der Künstler am 2. März 2022 spricht der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp. Der Künstler ist anwesend.

Ist neues Leben nach dem Tod möglich? Der Mythos des Vogels Phoenix, der aus seiner eigenen Asche wieder aufersteht, steht für diese Möglichkeit des Neubeginns nach dem Zusammenbruch – so wie die Passionsgeschichte Jesu Christi, der nach seinem Tod am Kreuz wieder aufersteht.

Zum Beginn der Passionszeit, die an die Passion Jesu Christi erinnert, greift der belgische Künstler Kris Martin den christlichen Auferstehungsmythos künstlerisch auf: Beginnend mit dem Aschermittwoch zeigt Kris Martin aus Asche gemalte Worte, die sich in rätselhafter Weise auf die Passion Jesu Christi beziehen: DOVE, BREAD, FISH, LINEN, TABLE, BED, VINE, SNAKE, MAN… – gemalt auf die Emporenbrüstungen und in die Apsis der Kirche, jeweils aus der Asche derjenigen Objekte und Lebewesen, auf die sich die Worte beziehen. Den Prozess ihrer Verbrennung zeigt Kris Martin in einem Video in der Sakristei der Kirche.

Damit kommentiert Kris Martin auf hintergründige Weise den reformatorischen Bilderstreit, der vor 500 Jahren zum Beginn der Passionszeit 1522 in Wittenberg begann: Sind Bilder in Kirchen vor dem Hintergrund des biblischen Bilderverbots legitim? U. a. über diese Frage entzweiten sich Martin Luther und sein Kollege Andreas Karlstadt. Kris Martin hält sich mit seiner Wort-Installation strikt an das Bilderverbot – und produziert dennoch Bilder: Innere Bilder, die beim Lesen der Worte unwillkürlich entstehen. Nicht der Künstler, sondern die Betrachter:innen erzeugen Bilder.

Ähnlich argumentierte 1522 auch Martin Luther, als er Bilder in Kirchen mit dem Hinweis verteidigte, Menschen würden sich – der Mensch als „homo pictor“ – ohnehin fortwährend innere Bilder machen, zumal schon die biblischen Worte bildhaltig seien. Daher sei es ein Kampf gegen Windmühlen, sich gegen Bilder in Kirchen zu stellen. Vielmehr gehe es um die richtigen Bilder und einen angstfreien Umgang mit ihnen. Bilder seien „Adiaphora“, sogenannte „nicht heilsnotwendige Dinge“, die man „haben könne oder nicht“.

Zur Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des Aschermittwochs der Künstler (2.3.2022, 18 Uhr in der St. Matthäus-Kirche) wird der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp in seiner „Künstlerrede“ die Aktualität des Wittenberger Bilderstreits für unseren heutigen Umgang mit Bildern – nicht nur in Kirchen – mit Blick auf die Arbeit von Kris Martin entfalten.

Zur Ausstellung von Kris Martin findet vom 6. März bis 15. April 2022 in der St. Matthäus-Kirche eine Predigtreihe mit dem Titel „Nichts als Worte“ statt: Am jedem Sonntag der Passionszeit um 18 Uhr steht eines der Worte von Kris Martin im Mittelpunkt der Predigt: DOVE, BREAD, FISH, LINEN, TABLE, BED, VINE, SNAKE, MAN… – Darüber hinaus findet am 10. März 2022 um 19 Uhr ein Gespräch zum biblischen Bilderverbot statt: Im Rahmen der Reihe „BILDERSTREIT! – Was darf man zeigen?“ diskutieren der Präsident der Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies und die Bildwissenschafterin und Kuratorin Prof. Dr. Almuth Bruckstein die Frage nach „GOTT“ im Bild.

Die Rauminstallation „Phoenix“ ist eine Kooperation mit der König Galerie.

Die St. Matthäus-Kirche ist Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr geöffnet. Die Rauminstallation kann kostenfrei besucht werden.

Bildmaterial:
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Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt und nur zur Berichterstattung über die Rauminstallation „Phoenix“ von Kris Martin freigegeben. Wir bitten um vollständige Nennung des Bildnachweises.

Weitere Informationen:
Pfarrer Hannes Langbein
Stiftung St. Matthäus
Tel.: 030 28395283
Fax: 030 28395187
info@stiftung-stmatthaeus.de

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