Stiftung St. Matthaeus

Die fein eingefädelte Nadel des Kunstdienstes - der Kreuzstich ins Herz ...

Ein Nachruf für den Künstler Heinz Hoffmann von Jürgen Rennert

Manfred Butzmann, Bleistiftzeichnung, 2008

Zum Tod von Heinz Hoffmann * 04.April 1934 - † 30. Oktober 2008

 

Was er sich zuguter Letzt noch in Erinnerung rufen und vorlesen ließ, bündelt in seiner Schlussstrophe die Widerfahrungen eines Lebens und Sterbens, das den Blick auf die Komik und Drastik des eigenen Seins nicht scheut:

 

"Ach, kränket mich nicht mehr durch Euer Angesicht!

Die allerletzte Pein ist, glaub ich, ärger nicht

als leben müssen, sterben wollen und nicht können."

 

Der unvergessene Simon Dach hat es ihm vorgesprochen im "Klaggedicht bei seiner schmerzlichen Krankheit".

 

In den ersten Stunden des 30. Oktober 2008 konnte Heinz Hoffmann - "Doc Hoffmann", wie Wieland Schmiedel den treuen Freund und Vermittler respektvoll nannte - die Augen für immer schließen. In seinem vierundsiebzigsten Lebensjahr und im Karlshorster Refugium. Von körperlichen Schmerzen augenscheinlich ungepeinigt.

 

Im Blick auf das, was kommt - "Was kommt" hieß eine erinnernswerte Ausstellung, die Heinz Hoffmann in den neunziger Jahren für die Freundschaftsinsel in Potsdam konzipierte! -, bedachte er in den letzten Tagen noch die inszenatorischen Einzelheiten seines irdischen Abgangs. Der Friedhof der Französischen Gemeinde in der Liesenstraße, auf dem auch Fontane liegt, war ihm willkommen. Er bestimmte Jürgen Henkys zum Prediger und Liturgen. Von Petra Kummert ließ er sich die Todesanzeige entwerfen und vorlegen. Mit seiner Frau Hildegard suchte er noch den Namen jenes Dichters zu ermitteln, dessen Verse sich im "Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach" finden und die ihm wie ungefähr ins Gedächtnis kamen:

 

"Bist du bei mir, geh' ich mit Freuden

zum Sterben und zu meiner Ruh'.

Ach, wie vergnügt wär' so mein Ende,

es drückten deine lieben schönen Hände

mir die getreuen Augen zu!"

 

Ich konnte den beiden bei allem Googeln nicht weiterhelfen, denn der Verfasser des

von Gottfried Heinrich Stölzel komponierten Textes gilt immer noch als unbekannt.

 

Heinz Hoffmanns Sein und Wesen lässt sich - wie ich denke - am besten in der verdichtenden Manier Johannes Bobrowskis erinnern, mit dem er unter anderem die Leidenschaft fürs Spiel am Spinett teilte:

 

"Ein guter Mensch hinter auflachendem Kürzel.

Musikant und Zeichner, Hymnolog, Theolog,

Freund und Bruder zaubrisch schöner Künste,

trinkfroh und gottesfürchtig!

 

Stocktaub hellhörig. Dekoriert

mit dem Orden vom Kreuz

des Bundesverdienstes,

dem blauen Band der Achtsamkeit.

All die Beschirmten und ihre

Plastik zum Begreifen, ihr Dialog

mit der Bibel, ihr Werk deiner Hände ...

Die fein eingefädelte Nadel

des Kunstdienstes - der

Kreuzstich ins Herz ...

 

Barfuß begreift sich die Welt von unten,

Brandenburgs Dom, Dannenwalde, die Kirche

am Wege, das DOMizil erinnern kaum tilgbar

sein unbeschuhtes Kommen und Gehen."

 

(Jürgen Rennert, Berlin, November 2008)