Stiftung St. Matthaeus

Das 20. Jahrhundert

Ulrich Baehr

Ausstellungskatalog

Mit Texten von Eckart Gillen und Christhard-Georg Neubert

15,00 €

»Aufbrechen zu neuen Ufern, mit vollen Segeln in See stechen, ein stolzes Bild, das wie kaum ein anderes Faszination und Wagnis der Freiheit verkörpert. Indess: Die Warnung vor der Seefahrt ist alt. Wer sich auf’s Wasser begibt, weiß nicht, ob er heil und unversehrt das rettende Ufer erreichen wird. Manch einem wurde überstandener Schiffbruch zur existenziellen Ausgangserfahrung. Zenon von Kition, dem Begründer der stoischen Schule, wird die Einsicht zugeschrieben: „erst als Schiffbrüchiger bin ich glücklich zur See gefahren“. Von dem Sokratiker Aristipp wird berichtet, er habe aus einem erlittenen Schiffbruch eine Art Bekehrung zu vorausschauender Lebenspraxis gewonnen und daraus die Einsicht abgeleitet, man solle den Kindern nur solche Besitztümer auf den Lebensweg mitgeben, die noch aus einem Schiffbruch gerettet werden könnten, denn nur das sei für das Leben wichtig, was weder die Unbilden des Schicksals noch Revolutionen, noch Krieg beeinträchtigen können. Kein Wunder, wenn ‚Seefahrt’ und ‚Schiffbruch’ zu Metaphern für das Geschick des Menschen werden und für seine in Widersprüchen sich zerreißende Weise, Dasein zu gestalten. Demgegenüber gelten Freiheit und Verantwortung als zentrale Chiffren einer Wertordnung, in deren Mitte die Sorge um das Wohl des einzelnen Menschen und der Schutz des Lebens bis zu seinem würdevollen Ende stehen.«

(Auszug aus dem Vorwort zum Katalog)

Juni 2005; 47 S., 24 farbige und fünf s/w Abbildungen; Format 23 x 29,5 cm. ISBN 3-9807912-9-7

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