Stiftung St. Matthaeus

ZARAZENJE Contagio FD 1877 Lesung und Präsentation einer Dostojewski-Edition aus der Werkstatt Il Laboratorio Nola/Neapel

Lecture Performance

Mit Roland Schäfer, Hartmut Diekmann und Susanne Ristow // Exportförderung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst NRW sowie des Kunsttransfers Düsseldorf-Neapel Capribatterie e.V./Edition Caprigarage

Eintritt frei, Spenden erbeten

Detail der russischen Schrift ZARAZENJE (Ansteckung) im Künstlerbuch zu Fjodor M. Dostojewskis «Traum eines lächerlichen Menschen» © Susanne Ristow/VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Detail der russischen Schrift ZARAZENJE (Ansteckung) im Künstlerbuch zu Fjodor M. Dostojewskis «Traum eines lächerlichen Menschen» © Susanne Ristow/VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Die Düsseldorfer Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Susanne Ristow versteht ihre künstlerische Forschung als "Kulturvirologie". Das Virus und seine Faszination für Künstler:innen interessiert sie nicht erst seit der Coronapandemie, sondern sie stellt seit vielen Jahren Beziehungen zwischen Konzepten künstlerischer Ansteckung und virologischen Modellen von der Moderne bis zur Digitalära her.

Schon in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts und im Dadaismus findet sich eine Viralität "avant la lettre". Im ersten Lockdown der Pandemie hat Susanne Ristow sich mit der russischen Kuratorin Natalia Gerchevskaya daran gemacht, die Erzählung "Traum eines lächerlichen Menschen" von Fjodor M. Dostojewski neu zu interpretieren als hochaktuelle Geschichte der Ansteckung einer erträumten, unverdorbenen Menscheit auf einem fernen Planeten im damals noch unbereisten Weltall.
Angesicht von Klimawandel, Krieg und Pandemie wirkt die 2021 in der Edition Il Laboratorio/Nola, Napoli von Vittorio Avella und Antonio Sgambati realisierte Künstlermappe (sieben Farbradierungen in dreisprachigen Textseiten in einer Katonage, 24 Exemplare, 52 x 40 cm) geradezu prophetisch. Stilistisch verweisen die Blätter auf Ristows frühere figurative Arbeit zu Körpern und Viren ebenso wie auf Raumfahrtpropaganda und Konstruktivismus der russischen Geschichte.
Wie andere Kooperationen der Künstlerin mit der letzten italienischen Kunstdruckerei südlich von Rom ist das graphische Werk dem europäischen Gedanken und der Verbundenheit in Schrift und Bild gewidmet und entstand mithilfe einer Exportförderung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst NRW sowie des Kunsttransfers Düsseldorf-Neapel Capribatterie e.V./Edition Caprigarage.

Roland Schäfer wird aus dem neu interpretierten Originaltext in deutscher Sprache lesen. Die druckgraphische Edition wird ebenso wie das Buch "Kulturvirologie. Das Prinzip Virus von Moderne bis Digitalära" (2021 De Gruyter, Berlin) zur Ansicht präsentiert. Zudem erfolgen Beiträge von Susanne Ristow und Hartmut Diekmann.

Der Eintritt ist frei, Spenden für die Organisations- und Reisekosten sind herzlich willkommen.

Susanne Ristow (*1971 Lübeck) ist interdisziplinär tätige Künstlerin, Museologin und Medienwissenschaftlerin. Zeichnung, Graphik, Malerei, Video, Performance, Installation, Skulptur, Artistic Research – sie selbst fasst alle Disziplinen zu dem Begriff BILDNEREI zusammen. Die Düsseldorfer Künstlerin ist weltweit nicht nur mit Ausstellungsprojekten präsent, sondern auch als leidenschaftliche Kunstvermittlerin. In Performancevorträgen und Interaktionen mit Kollaborateuren entwickelt sie mithilfe der Denkfigur des Virus komplexe Zusammenhänge zwischen Kunst und Wissenschaft. Aktuell ist sie mit dem Dialogformat „AMBULANZ ////// Doc Su & Trickster“ unterwegs, um grundsätzliche Fragen der Kulturvirologie im regionalen und internationalen Kontext zu behandeln.