Stiftung St. Matthaeus

"Leiden, Auferstehen, Sterben"

Karl-Ludwig Lange

Karl-Ludwig Lange, 'Leiden, Auferstehung, Sterben', 1990, Öl auf Leinwand (Triptychon), je 196 x 146 cm
Karl-Ludwig Lange, 'Leiden, Auferstehung, Sterben', 1990, Öl auf Leinwand (Triptychon), je 196 x 146 cm

Das im Jahr 1999 erstmals in St. Matthäus präsentierte Altarbild beeindruckte viele Besucher tief. Am Ostersonntag 2004 wurde in einem festlichen Gottesdienst das Triptychon des Berliner Malers Karl-Ludwig Lange an die Kulturstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz übergeben. Seitdem präsentieren wir das Werk jährlich. In einer Zeit totaler Sichtbarkeit und maßloser Bildproduktion erscheint auch der Körper nur noch als Oberfläche, als Idol und "Ikone", als Image oder Zeichencode. In Langes stillen Bildern voll von vibrierender Sinnlichkeit aber überkommt den Betrachter eine Ahnung vom Unverrechenbaren des Menschseins. Diese Bilder sind ein Plädoyer gegen ein Sehen, das jede Wahrnehmung ruiniert.

Das großformatige Altarbild trägt den Titel: »Leiden. Auferstehung. Sterben.« Bischof Wolfgang Huber nahm in seiner Osterpredigt auf Langes Malerei Bezug, indem er unter Verweis auf die rechte Tafel des Triptychons davon sprach, dass hier nachvollziehbar werde, was der Satz »... hinabgestiegen in das Reich der Toten« bedeutet, den Christen im 2. Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses sprechen. Diese Tafel verdeutliche auf eigene Weise eine Theologie des Karsamstags. Christus ist hinabgestiegen in das tiefste Dunkel irdischen Daseins und menschlicher Abgründe. Kein Sterben muss seitdem mehr auskommen ohne die Hoffnung auf das helle Licht der Ewigkeit Gottes. Dafür steht in Langes Triptychon eindrucksvoll die Farbe Blau.

Mit Ausnahme der »Karsamstagstafel« begegnen uns in Langes Arbeiten aufrechte, senkrecht die Bildmitte beherrschende Körper, die in ihrer Zartheit an das Zerbrechliche des Menschseins gemahnend zu Sinnbildern unserer eigenen Existenz werden.

In einer Zeit totaler Sichtbarkeit und maßloser Bildproduktion erscheint auch der Körper nur noch als Oberfläche, als Idol und Ikone, als Image oder Zeichencode. Vor Langes stillen Bildern voll von vibrierender Sinnlichkeit aber überkommt den Betrachter eine Ahnung vom Unverrechenbaren des Menschseins. Diese Bilder sind ein Plädoyer gegen ein Sehen, das jede Wahrnehmung ruiniert.

Das im Jahr 1999 erstmals in St. Matthäus präsentierte Altarbild beeindruckte viele Besucher tief. Seitdem bemühte sich die Stiftung St. Matthäus um den Ankauf dieses ungewöhnlichen Werkes. Nach vielen vergeblichen Anläufen gelang es Ende vergangenen Jahres, mit Hilfe eines Berliner Anwalts und eines württembergischen Unternehmers die notwendigen 30.000 EUR aufzubringen. Mit ihrem Mäzenatentum unterstreichen die Förderer das Interesse an einem nachhaltigen Dialog der Kirche mit hochwertiger zeitgenössischer Kunst.

Christhard-Georg Neubert