Stiftung St. Matthaeus

Künstler*in am Dom

Artist-in-Residence

In Kooperation mit dem Dom zu Brandenburg an der Havel und der Kunsthochschule Braunschweig

Das Residenz-Stipendium „Künstler*in am Dom“ wird alle zwei Jahre durch das Domstift zu Brandenburg an der Havel und die Stiftung St. Matthäus, Kulturstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig verliehen. Im Rahmen des Stipendiums leben und arbeiten die Künstler*innen drei Monate am Dom zu Brandenburg an der Havel. Eine Ausstellung im Dom und eine Publikation sind das Ergebnis. Teil des Stipendiums ist auch die Zusammenarbeit mit der Kunstklasse des Evangelischen Domgymnasiums in Brandenburg.

Künstler am Dom 2017: Ingo Mittelstaedt – "KORRIDOR"

Im Rahmen des Projektes „Expeditionen. Künstlerische Erkundungen im Reformationsland Brandenburg“ setzte sich Ingo Mittelstaedt mit der Geschichte des Doms und der Sammlung des Dommuseums auseinander: Museumsstücke, Fundstücke und eigene Fotografien verschmolzen zu spannungsreichen Bildkompositionen, die einen künstlerischen Transitraum, einen „Korridor“, durch den Brandenburger Dom legten.

Ingo Mittelstaedt über seinen künstlerischen Ansatz: „2011 habe ich begonnen, Fotografien in Museen zu bringen. Aus der Stilleben-Fotografie kommend, dachte ich, dass es interessant wäre, mein Atelier zu verlassen und an Orten zu arbeiten, in denen bereits Objekte zu finden sind, anstatt sie im Atelier zu schaffen oder zu inszenieren. (...) Ich habe mich gefragt: Was passiert, wenn ich die Objekte, die ich in einem Museum anschaue, fotografiere? Was passiert, wenn ich meine Aufmerksamkeit nicht auf die Ausstellung selbst, sondern auf die Art ihrer Präsentation richte – auf die Brüche, die Zufallsphänomene oder die Deformationen? Und schließlich: Was passiert, wenn ich diese Fotos dann ohne Kontextinformationen mit anderen Fotos von Objekten und Skulpturen, egal aus welcher Epoche oder aus welchem Museum sie kommen, zeige?“

Gemeinsam mit den Schüler*innen des Evangelischen Domgymnasiums setzte Ingo Mittelstaedt in einer Reihe von Workshops sein Projekt am Dom fort. Im Rahmen der Beschäftigung mit der Ausstellung und dem Künstler erstellten die Schüler*innen ihre eigenen Arbeiten, die in einer Ausstellung präsentiert wurden.

Künstler am Dom 2019: Jan Neukirchen – „copypasta“

Inspiriert von der historischen Rolle der Kirche, die stets auch Produzentin und Archivarin von Handschriften war, entwickelte der Informatiker und Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Jan Neukirchen eine Installation, in der intelligente Maschinen Texte in Form von gesprochener Sprache untereinander weitergaben. Dabei kamen maschinelle Spracherkennung und Sprachsynthese zum Einsatz, wie sie auch von Apple, Google, Amazon oder Microsoft (Siri, Google Assistant, Alexa, Cortana) verwendet werden. Durch den ständigen Wechsel zwischen textlicher Repräsentation und akustischer Überlieferung sowie durch die heute noch unvollkommen synchronisierten Spracherkennungsalgorithmen kam es zu einer zunehmenden Veränderung der ursprünglichen Information.

Im Rahmen des Workshops "Data Art 101" entwickeln Schüler*innen der Kunstklasse des Evangelischen Domgymnasiums unter Anleitung von Jan Neukirchen eigene künstlerische Arbeiten, die ihren Ausganspunkt im digitalen Material hatten.

Künstlerin am Dom 2021: Ivana Rohr – "You are not alone"

„You are not alone“ ist einer der bekanntesten Songtitel des 2009 verstorbenen Popsängers Michael Jackson. Seine berührende Botschaft unbedingter Geborgenheit kippt jedoch ins Unheimliche, sobald die schon zu Lebzeiten gegen den Sänger erhobenen Vorwürfe des Kindesmissbrauchs ins Bewusstsein treten. Genau dieser Kippmoment beschäftigte die Hannoveraner „Künstlerin am Dom“ Ivana Rohr: Was geschieht, wenn kulturelle Vorbildfiguren durch ihren Lebenswandel plötzlich moralisch fraglich werden? Wie werden innere Zweifel und Brüche im Glauben an etwas oder jemanden verhandelt, nicht nur auf rationaler, sondern auch auf emotionaler Ebene?

Ausgehend von ihrer Beschäftigung mit dem sogenannten „King of Pop“, dessen Verehrung religiöse Züge annehmen konnte, weitete Ivana Rohr die Frage mit einer Video- und Textilinstallation in der Sakristei des Brandenburger Doms auf weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, in denen Missbrauchsfälle bekannt wurden – nicht zuletzt auf den Bereich der Kirchen.

Ivana Rohr arbeitete während ihres Aufenthalts am Dom zu Brandenburg mit der Kunstklasse des Evangelischen Domgymnasiums. Im Dialog mit den Schüler*innen entstand eine Ausstellung zum Thema „Alltagssexismus“.