Stiftung St. Matthaeus

Kreuz

Arnulf Rainer

Arnulf Rainer | Kreuz (1980-85). 
Öl auf Holz und montiertem Karton, 151,5 x 80 cm.
In der Projektreihe Das andere Altarbild – Präsentiert zum Jubiläum 15 Jahre Stiftung St. Matthäus. 
18. Februar bis 03. April 2015. 
Foto: Stefanie Heider (2015)
Arnulf Rainer | Kreuz (1980-85). Öl auf Holz und montiertem Karton, 151,5 x 80 cm. In der Projektreihe Das andere Altarbild – Präsentiert zum Jubiläum 15 Jahre Stiftung St. Matthäus. 18. Februar bis 03. April 2015. Foto: Stefanie Heider (2015)

In ihrem 15. Jubiläumsjahr präsentiert die Stiftung St. Matthäus zur Passionszeit 2015 die erste Arbeit, die nach Stiftungsgründung in der Projektreihe „Das andere Altarbild“ ausgestellt wurde. Das Bild „Kreuz“ des Malers Arnulf Rainer wurde im Herbst 1999 gezeigt.
Der 1929 in Wien geborene Künstler wurde damals durch einen Münchner Galeristen in Berlin vertreten. Aus diesem Kontakt der Stiftung war es möglich, so hochkarätig mit der Projektreihe zu starten. Seitdem wurden mehr als 67 Altarbilder entweder solitär oder in Ausstellungsprojekten präsentiert. Mit weiteren Arbeiten von Arnulf Rainer zeigte die Stiftung St. Matthäus 2005 die Ausstellung „Dahinter Engel“.
„Wenn ich male, bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht und beschimpfe Leute. Ich bewege und verwandle mich permanent als Leib, Körper und Seele“. (Arnulf Rainer)


Kultur in Kirchen, Ausgabe Februar/März 2015, S. 15:

Kunst im heiligen Raum. St. Matthäus-Kirche in Berlin: Von Arnulf Rainer stammt ,Das andere Altarbild" für die Passionszeit

Es ist sozusagen eine Rückkehr: Das schwarze Kreuz in öl auf Holz und Karton, durchzogen von einer roten und einer weisen Linie, hing schon einmal in der St. Matthäus-Kirche in Berlin-Tiergarten. Und zwar vor 15 Jahren, als die Kulturstiftung der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg gerade gegründet worden war. Der heute 86-jährige Österreicher Arnulf Rainer ist ein Künstler von Weltrang.
In der Nähe von Wien gibt es ein Museum nur für seine Werke. Seine frühen Arbeiten sind noch im Stil des phantastischen Realismus, ab den 50er Jahren suchte er zunehmend neue Wege, malte mit verbundenen Augen, gestaltetet ,Proportionsstudien" oder strenge Schwarzweißbilder. Später wurde er vor allem für seinen Stil der Übermalung bekannt. Häufig ging es in seinen Werken um religiöse Themen. "In meinen Augen ist Arnulf Rainer der Künstler der Gegenwart. der sich am gründlichsten mit dem Christentum und der Bedeutung des Kreuzes auseinandersetzt", sagt Christhard-Georg Neubert, Direktor der St. Matthäus-Stiftung. Das Kreuz von Arnulf Rainer hängt vom 18. Februar bis Karfreitag über dem Altar der St. Matthäus-Kirche. Die Kultur-Kirche im Herzen Berlins zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, die sich auf die Suche nach religiöser Selbstvergewisserung machen. Unter dem Namen "Das andere Altarbild" bittet die St. Matthäus-Stiftung Künstler und Künstlerinnen den Altarraum der Kirche zu gestalten. Das sei eine ganz besondere Herausforderung, sagt Christhard-Georg Neubert. Sie sehen die Kirche als heiligen Raum, dessen Energie sich am Altar bündelt, denn hier wird das Abendmahl gefeiert. Als Künstler der Gegenwart haben sie natürlich den Anspruch, ganz neue Ausdrucksformen zu finden, und gleichzeitig stehen sie in der Tradition berühmter Künstler, die vor ihnen Altarbilder schufen." Die Stiftung räumt den Künstlern relativ viel Freiraum ein, es gibt Installationen, Skulpturen, einmal hing dort eine Videoinstallation und eines der letzten Werke war ein Wallpaper, eine Art Fototapete. Nur einmal habe man einen Entwurf abgelehnt, berichtet Christhard-Georg Neubert, als nämlich ein bekannter chinesischer Künstler das Bild eines Pandabären, dem Blut aus den Augen floss, über den Altar hängen wollte. Das habe man als unpassend empfunden.
Bei Arnulf Rainer, der sogar Ehrendoktor der Theologie ist, machte man sich keine Sorgen, er könne mit einem kirchlichen Raum nicht recht umgehen. Und so hängt also sein schwarzes Kreuz mit weißem und rotem Strich passend zur beginnenden Passionszeit vom 18. März bis 3. April in der St. Matthäus-Kirche über dem Altar.