Stiftung St. Matthaeus

"Auschwitz-Befreiung (Triptychon)"

Gero Hellmuth

Seit mehreren Jahren arbeitet der Singener Künstler an einem Auschwitz-Zyklus in dem die Zahl ...19..., Fragmente einer Häftlingsnummer, zum Symbol des zur Nummer degradierten Menschen wird. Auf Malereien, Assemblagen und Skulpturen taucht sie auf und erinnert, ist aber gleichzeitig Symbol der Erlösung, Hoffnung und Versöhnung. Das andere Altarbild 'Auschwitz - Befreiung' wurde gezeigt im Rahmen der Ausstellung "das sie leben...".

Gero Hellmuth, 'Auschwitz-Befreiung' (Triptychon), 1995, Holz, Teer, Eisen, ca. 130 x 300 cm
Gero Hellmuth, 'Auschwitz-Befreiung' (Triptychon), 1995, Holz, Teer, Eisen, ca. 130 x 300 cm

"Filmdokumente aus der Zeit des Kriegsendes 1945 waren Anlass der Arbeiten zum Projekt '...dass sie leben'. Neben vielen anderen bewegte mich eine Filmaufnahme ganz besonders: die Befreiung der Häftlinge aus dem KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945.

Stockend, sehr langsam bewegen sie sich, mehr taumelnd als gehend, mit unbewegtem Gesicht, als würden sie den Weg in die Freiheit gar nicht wahrnehmen oder für wahr halten. Ich sah die in den Arm eines Häftlings eingebrannte Nummer – sie begann mit 1..9... weitere Zahlen folgten. Eingeprägt haben sich mir die ersten zwei Zahlen, die auch die Anfangszahlen des vergangenen Jahrhunderts sind.

Diese 19 wurde so für mich ein Symbol des seines Gesichts und seines Namens beraubten Menschen. Unter dem Eindruck tiefsten Mitgefühls entstand die erste Arbeit, das Triptychon 'Auschwitz – Befreiung 1945'. In dieser Zeit entstand ganz spontan der Wunsch, gemeinsam mit einem jüdischen Komponisten über dieses Thema zu arbeiten.

Meine Bilder sind 'Bilder gegen das Vergessen', aber zugleich suche ich eine Brücke in eine humane Zukunft zu bauen, als eine 'lebendige Form der Erinnerung', wie Roman Herzog des anlässlich des 60. Jahrestages der Reichspogromnacht in einer Rede gefordert hatte."

Gero Hellmuth