Stiftung St. Matthaeus

Citykirchen-Predigtreihe „Der Tod ist in unsere Fenster gestiegen“

Zeitgemäßes über Krieg und Tod zwischen 1914 und 2014

Berlin – Der Erste Weltkrieg – eine Jahrhundertkatastrophe. Hundert Jahre nach seinem Beginn reflektieren die fünf Berliner Citykirchen in einer Predigtreihe die Rolle der Kirchen im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg und der Zeit danach.

Über diese Rolle schreibt der Kirchenhistoriker Martin Greschat: „Mit Inbrunst begriffen sich die Kirchen und die große Mehrheit der Christen (..) nicht nur als Verteidiger ihres Vaterlandes, sondern der Kultur und des Christentums insgesamt.“ Statt zu warnen, stellten sich die meisten Pfarrer auf die Seite der Befürworter und Unterstützer. „Im Weltkrieg dominierte nicht nur die Verschmelzung von Christentum und Nationalismus, sie feierte regelrechte Triumphe“, so Greschat. In der Predigtreihe der fünf Berliner Citykirchen soll unter anderen der Frage nachgegangen werden, wie es zu dieser Haltung kommen konnte und welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen.
Zum Auftakt der Predigtreihe in der St. Marienkirche wird Bischof Dr. Markus Dröge am 29. Juni – einen Tag nach dem Jahrestag des Attentats von Sarajevo – über den Vorabend des Ersten Weltkrieges predigen und dabei Friedrich Sigmund-Schultze in den Mittelpunkt stellen. Sigmund-Schultze gilt als Vater der Friedensbewegung und war Mitbegründer des „Weltbunds für Freundschaftsarbeit der Kirchen“. Im beginnenden Kriegstaumel stand Schultze für einen ökumenischen Weg des Friedens. Damit fand er in seiner Kirche leider kein Gehör.
Am 6. Juli in der Französischen Friedrichstadtkirche geht es um Deutsche und Franzosen und ihre angebliche Erb- und Erzfeindschaft. Die Predigt hält der langjährige Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Dr. Christian Staffa.
Am 13. Juli wird Pfarrerin Dr. Cornelia Kulawik in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche die Predigten genauer betrachten, die um 1914 gehalten wurden.
Am 20.7. in der Matthäuskirche steht das Verhältnis von Kunst und Krieg im Mittelpunkt. Der 20. Juli ist der 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler, was die Frage nach Widerstand, auch dem widerständigen Potential von Kunst, nahelegt. Die Predigt hält Pfarrerin Käthi La Roche, Zürich.
Am 27.7. beleuchtet die Predigt von Dr. Petra Zimmermann die Rolle des Dompredigers Bruno Doering. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Doehring durch einen Gottesdienst unter freiem Himmel anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs bekannt. In seiner Predigt rief er dazu auf, in allen kommenden Leiden „furchtlos in Treue und Gottvertrauen unter der Führung des Kaisers fest zusammen zu stehen“. Sie fand in gedruckter Form weite Verbreitung.

Termine:
29.6., 10.30 Uhr, St. Marienkirche (nahe Alexanderplatz): „Sie schießen mit ihren Zungen lauter Lüge und treiben's mit Gewalt im Lande“ Jeremia 9,2.
Über Gesellschaft und Kirche am Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Predigt: Bischof Dr. Markus Dröge, Liturgie: Pfarrer Gregor Hohberg

6.7., 11 Uhr, Französischer Dom (am Gendarmenmarkt): „Wo bist du? Wo ist dein Bruder? Was hast du getan?“ Genesis 2,9; 4,9.10.
Deutsche und Franzosen: Über Erz- und Erbfeindschaften.
Predigt: Dr. Christian Staffa, Liturgie: Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, Pfarrer Dr. Matthias Loerbroks

13.7., 10 Uhr, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche: „Die Stimme des Bluts deines Bruders schreit zu mir.“ Genesis 4,10.
Kriegsbegeisterung und Skepsis. Was wurde gepredigt?
Predigt und Liturgie: Pfarrerin Dr. Cornelia Kulawik

20.7., 18 Uhr, St. Matthäus-Kirche (im Kulturforum): „Von Krieg und Kriegsgeschrei.“ Matthäus 24,6.
Über Kunst und Widerstand.
Predigt: Pfarrerin Käthi La Roche, Zürich, Liturgie: Pfarrer Christhard-Georg Neubert

27.7. 10 Uhr Berliner Dom (am Lustgarten): „Gehet ein durch die enge Pforte.“ Matthäus 7,13.
Die geistige Mobilmachung am Beginn des Ersten Weltkriegs am Beispiel des Dompredigers Bruno Doehring.
Predigt: Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann, Liturgie: Domprediger Dr. Thomas C. Müller