Stiftung St. Matthaeus

Phoenix

Kris Martin

© Kris Martin, Foto: Leo Seidel
© Kris Martin, Foto: Leo Seidel

Dass aus dem Tod neues Leben hervorgehen kann, gehört zur Grunderzählung des Christentums, die Tod und Auferstehung Jesu Christi miteinander verbindet. Der Mythos des Vogels Phönix, der verbrennt und aus seiner Asche wieder aufersteht, zeigt wie weit das Motiv der Auferstehung über das Christentum hinausreicht. Für den belgischen Künstler Kris Martin ist er Ausgangspunkt für eine neue künstlerische Intervention zur Passionszeit in der St. Matthäus-Kirche: Mit Asche zeichnet Kris Martin an die Emporenbrüstungen und in die Apsis der Kirche, die selbst Ort einer Auferstehung aus Ruinen ist: DOVE, BREAD, FISH, LINEN, TABLE, BED, VINE, SNAKE, MAN… Worte statt Bilder. Worte aus der Asche der Objekte, die sie bezeichnen. „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist!“, heißt es in den Zehn Geboten (Exodus 20,4). Und Kris Martin hält sich daran: Keine Bilder. Nur Worte. Aber Worte, die innere Bilder erzeugen. Nicht der Künstler, sondern die Betrachtenden machen sich ihre Bilder. Können wir überhaupt ohne (innere) Bilder leben? Die Frage beschäftigte auch die Reformatoren, als zum Beginn der Passionszeit 1522 der Wittenberger Bilderstreit begann und Martin Luther in seinen berühmten „Invocavit“-Predigten die Bilder verteidigte. 500 Jahre danach weist Kris Martin auf die Bildhaltigkeit unserer Worte hin – und auf die lebenserneuernde Kraft der Sprache: „Vom Staub bist du genommen, zum Staub kehrst du zurück.“, heißt es in der Aschermittwochsliturgie. Doch das ist nicht das Ende.

In Kooperation mit der KÖNIG GALERIE.

Die KÖNIG GALERIE präsentiert vom 25.02. bis 20.03.2022 die Ausstellung "Fairy Tales" von Kris Martin in der CHAPEL von ST. AGNES.