Stiftung St. Matthaeus

"Luther und die Avantgarde" - SCAPEGOATING PICTURES von Gilbert & George

“Mit Gilbert & George wird eine radikale Auseinandersetzung und Diskussion über die reformatorischen Ideen Luthers, der als Vordenker und Avantgardist seiner Zeit gilt, initiiert“, sagt Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur e.V. „Ihre künstlerische Beschäftigung mit Themen wie Leben und Tod, Sex, Gewalt und Macht könnte an keinem besseren Ort als in einer Kirche sinnstiftend präsentiert werden. Die Haltung von Künstlern wird heute in einer Welt, in der Begriffe wie Pluralität, Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung auf dem Prüfstand stehen, für unsere Gesellschaft zentraler denn je.“

Das in London lebende Künstlerduo Gilbert & George besuchte am 2. Dezember auf Einladung des Veranstalters, der Stiftung Kunst und Kultur e.V., und der Stiftung St. Matthäus die Berliner St.Matthäus-Kirche im Kulturforum. Sie haben speziell für diesen Ort eine Auswahl an Arbeiten aus der Serie Scapegoating Pictures –Sündenbock-Bilder – zusammengestellt, deren zentrales Thema Krieg und Religionskonflikte sind. Bekannt für ihre herausfordernden Aktionen und Bildentwürfe, stehen die seit den 1960er Jahren auch als „living sculptures“ – lebende Skulpturen – agierenden Künstler für eine differenzierende Haltung zur Religion und Moral. „Wir haben Gilbert & George eingeladen, weil wir meinen, dass es zu den Frieden stiftenden Aufgaben der Kirche gehört, gefährliche Feindbilder zu benennen, abzubauen und zur Versöhnung beizutragen, ohne die Wirklichkeit schön zu reden. Die Dunklen Themen unserer Gesellschaft brauchen die Kirche als Ort des Lichtes“, erläutert Pfarrer Christhard-Georg Neubert, Direktor der Stiftung St. Matthäus.

Ab 19. Mai 2017 wird "Luther und die Avantgarde" an drei Ausstellungsorten präsentiert. Zentraler Ausstellungsort ist das ehemalige Gefängnis in Lutherstadt Wittenberg, das eigens für die Ausstellung in Stand gesetzt und öffentlich zugänglich gemacht wird. Berlin mit der St. Matthäus-Kirche und Kassel mit der Karlskirche sind weitere Standorte.
Das Projekt wird mit Unterstützung der EKD und in Zusammenarbeit mit dem Reformationsjubiläum e.V. 2017 realisiert.

500 Jahre Reformation: Dieses Jubiläum, das die Welt 2017 begeht, nimmt die Stiftung zum Anlass, Religion und zeitgenössische Kunst zu konfrontieren. Zu der Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ sind rund 60 internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, u. a. Eija-Liisa Ahtila, Ólafur Elíasson, Ayşe Erkmen, Isa Genzken, Pascale Marthine Tayou, Günther Uecker, Ai Weiwei, Erwin Wurm und Zhang Peili.

„Luther und die Avantgarde“ geht von der Figur des Reformators als Vordenker und Avantgardist seiner Zeit aus. Martin Luther hat religiöse, soziale und gesellschaftliche Reformprozesse in Gang gesetzt, die über die christliche Religionslehre hinaus die Gesellschaft radikal verändert haben. Hier knüpft die Ausstellung an: Sie fragt nach der heutigen Avantgarde und präsentiert künstlerische Strategien, die nach Veränderung streben, Missstände aufzeigen sowie von Unabhängigkeit im Denken und Handeln geprägt sind.