Stiftung St. Matthaeus

Luther und die Avantgarde

"Scapegoating Images - Sündenbock-Bilder" von Gilbert & George

500 Jahre Reformation: Dieses Jubiläum, das die Welt 2017 begeht, nimmt die Stiftung zum Anlass, Religion und zeitgenössische Kunst zu konfrontieren. „Luther und die Avantgarde“ heißt die Ausstellung, zu der rund 60 internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen sind, u. a. Eija-Liisa Ahtila, Ólafur Elíasson, Ayşe Erkmen, Isa Genzken, Pascale Marthine Tayou, Günther Uecker, Ai Weiwei, Erwin Wurm und Zhang Peili.
„Luther und die Avantgarde“ geht von der Figur des Reformators als Vordenker und Avantgardist seiner Zeit aus. Martin Luther hat religiöse, soziale und gesellschaftliche Reformprozesse in Gang gesetzt, die über die christliche Religionslehre hinaus die Gesellschaft radikal verändert haben. Hier knüpft die Ausstellung an: Sie fragt nach der heutigen Avantgarde und präsentiert künstlerische Strategien, die nach Veränderung streben, Missstände aufzeigen sowie von Unabhängigkeit im Denken und Handeln geprägt sind.

Gilbert & George besuchten am 2. Dezember auf Einladung des Veranstalters, der Stiftung Kunst und Kultur e.V., die St.Matthäus-Kirche in Berlin. Sie planen speziell für diesen Ort eine Auswahl an Fotoarbeiten aus der Serie Scapegoating Images –Sündenbock-Bilder – zusammenzustellen, deren zentrales Thema Krieg und Religionskonflikte sind. Bekannt für ihre provokanten Aktionen und Bildentwürfe, stehen die seit den 1960er Jahren auch als „living sculptures“ – lebende Skulpturen – agierenden Künstler für eine dezidiert anti-klerikale und anti-moralistische Haltung. „Die Dunklen Themen unserer Gesellschaft brauchen die Kirche als Ort des Lichtes“, erläutert Pfarrer Christhard-Georg Neubert, Direktor der Stiftung St. Matthäus.

“Mit Gilbert & George wird eine radikale Auseinandersetzung und Diskussion über die reformatorischen Ideen Luthers, der als Vordenker und Avantgardist seiner Zeit gilt, initiiert“, sagt Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur e.V. und Sprecher des Kuratoriums. „Ihre künstlerische Beschäftigung mit Themen wie Leben und Tod, Sex, Gewalt und Macht könnte an keinem besseren Ort als in einer Kirche sinnstiftend präsentiert werden. Die Haltung von Künstlern wird heute in einer Welt, in der Begriffe wie Pluralität, Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung auf dem Prüfstand stehen, für unsere Gesellschaft zentraler denn je.“

Ab Mai 2017 wird die Schau an drei Ausstellungsorten präsentiert. Zentraler Ausstellungsort ist das ehemalige Gefängnis in Lutherstadt Wittenberg, das eigens für die Ausstellung in Stand gesetzt und öffentlich zugänglich gemacht wird. Berlin mit der St.Matthäus-Kirche und Kassel mit der Karlskirche sind weitere Standorte.
Das Projekt wird mit Unterstützung der EKD und in Zusammenarbeit mit dem Reformationsjubiläum e.V. 2017 realisiert.