Stiftung St. Matthaeus

Kunstwerke

Im schlichten, hellen Kirchenraum findet der Besucher einige bedeutende Kunstwerke: "Christuskopf" von Gerhard Marcks, fünf Glasfenster von Sigmund Hahn in der Sakristei, den "Schmerzensmann" aus der Riemenschneider-Schule als Dauerleihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin; im Treppenhaus zum Kirchturm der 'Kruzifixus' von Gerhard Schreiter; im Turmaufgang befinden sich Gisela Breitlings Bibelinterpretationen zu Texten des Matthäus-Evangeliums.

 

Zur Gründung der Stiftung St. Matthäus konnte im Jahre 2000 die Skulptur "Antlitz" von Vadim Sidur in St. Matthäus erworben und dauerhaft präsentiert werden. Im Jahre 2003 wurde der 'Ambo', eine Skulptur aus Eisen und Tonscheiben von Madelaine Dietz gestiftet; 2007 wurde der Stiftung der Ankauf des Bronzekreuzes "ecce homo" von Michael Morgner ermöglicht, das seitdem meist in der Sakristei der Kirche zu sehen ist. Am 29. 11. 2012 wurde die duaerhaft im Boden des linken Seitenschiffes verankerte Skulptur 'Stufen' von Micha Ullman übergeben.

 

Gisela Breitling

(* 1939 in Berlin)

 

1988 gewann die Berliner Malerin Gisela Breitling den Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung des restaurierten Kirchturms von St. Matthäus. Seit 1993 hängen dort von ihr 16 Tafeln (Öl auf Holz) zu Texten des Matthäus-Evangeliums. Die Künstlerin hat sich in ihrer Auseinandersetzung mit den Bibeltexten hauptsächlich an den Frauengeschichten orientiert. So hat sie die Geschichte vom kanaanäischen Weib in der Form dargestellt, dass an einem Tisch, dem Tisch des Herrn, die kirchlichen Würdenträger sitzen, und eine Frau davor das aufsammelt, was vom Tisch herunterfällt – also die Abfälle …

 

Ein Abstecher zum Kirchturm lohnt nicht nur wegen der schönen Aussicht, die Kunstwerke von Gisela Breitling eröffnen für Interessierte eine neue Sicht auf das Matthäus-Evangelium.

 

Gisela Breitling, Bildausschnitt aus der Serie zum Matthäus-Evangelium im Turm der St. Matthäus-Kirche
Sakristeifenster von Sigmund Hahn, 1960, mit Themen der Apostelgeschichte: Gemeinschaft, Gebet, Predigt, Taufe und Diakonie. Hier abgebildet sind: Diakonie, Taufe, Gebet, Abendmahl (v.l.n.r.)
Kopf des "Afrikanischen Kruzifix" von Gerhard Marcks
Gisela Breitling, Bildausschnitt aus der Serie zum Matthäus-Evangelium im Turm der St. Matthäus-Kirche

Gisela Breitling, Bildausschnitt aus der Serie zum Matthäus-Evangelium im Turm der St. Matthäus-Kirche

Sakristeifenster von Sigmund Hahn, 1960, mit Themen der Apostelgeschichte: Gemeinschaft, Gebet, Predigt, Taufe und Diakonie. Hier abgebildet sind: Diakonie, Taufe, Gebet, Abendmahl (v.l.n.r.)

Sakristeifenster von Sigmund Hahn, 1960, mit Themen der Apostelgeschichte: Gemeinschaft, Gebet, Predigt, Taufe und Diakonie. Hier abgebildet sind: Diakonie, Taufe, Gebet, Abendmahl (v.l.n.r.)

Kopf des "Afrikanischen Kruzifix" von Gerhard Marcks

Kopf des "Afrikanischen Kruzifix" von Gerhard Marcks

Sigmund Hahn

(* 2. Mai 1926 in Berlin + 10. 5. 2009 in Berlin)

 

Sigmund Hahn hat sich als Künstler weitgehend in den Dienst der christlichen Kirchen seiner Heimatstadt gestellt. Seit 1954 entwarf und realisierte er für über 40 Kirchengemeinden beider Konfessionen in Berlin Kirchenfenster und Altargerät. Es gibt wohl keinen anderen Künstler, dessen Werk sich von Anzahl und Umfang her deutlicher in den Kirchen im Berliner Raum dokumentieren lässt.

 

Sigmund Hahn, als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren, studierte von 1946 bis 1951 an der Hochschule für bildende Künste Berlin. Zu seinen Lehrern zählen Karl Hofer und Max Kaus, mit dem er befreundet war. 1954 erhielt er den Kunstpreis für Grafik der Stadt Berlin. Er präsentierte Ausstellungen seiner farbenfrohen Malerei in Berlin, Hamburg, München und Paris. 2006 feierte er seinen 80. Geburtstag. Sigmund Hahn verstarb am 10. Mai 2009 in Berlin.

 

 

Gerhard Marcks

(* 18.02.1889 in Berlin + 13.11.1981 in Burgbrohl)

 

Gerhard Marcks gehört neben Ernst Barlach, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck zu den wichtigsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. In seiner Skulpturkunst vereinigt er Tradition und Moderne wie kein Anderer. Figürlichkeit ist eines der Hauptmerkmale seines Schaffens. Ab etwa 1910 orientierte er sich in der Bildsprache an expressionistischen Auffassungen. Danach ließ er sich von der antiken griechischen Skulpturkunst beeinflussen, seine Formen wurden vereinfacht und knapper im Ausdruck. Neben wenigen Versuchen in Stein blieb ihm die Bronze seit der zweiten Hälfte der 20er Jahre das bevorzugte Material.

 

Der Kopf des "Afrikanischen Christus“ ist eine Kopie des Christuskopfes vom "Afrikanischen Kruzifix“ in der Auferstehungskirche von Bad Oeynhausen, Bronze aus dem Jahre 1956.

 

 

 

Michael Morgner

( * 1942 in Chemnitz)

 

1961 – 66 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig; 1977 – 82 Mitglied der Künstlergruppe „clara mosch".

1981 Aktion „M. überschreitet den See bei „Gallenthin“; seit 1982 serielle Arbeiten; 1984 erste Arbeiten zu Ecce Homo und Tageszeiten-Jahreszeiten; 1986 Tod seiner Frau Dörte; Ecce-Homo-Zyklus; Totentanz-Darstellungen; seit 1988 Thema Requiem.

 

1992 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der freien Akademie der Künste, Leipzig; 1994 Gründungsmitglied des Vereins „Kunst für Chemnitz“.

1995 erste Skulpturen in Stahl; seit 1999 erstmals wieder farbige Mischtechniken; 2000 erster Schreitender in Stahl; Stahlskulptur am Museumsufer in Frankfurt/M. Werkverzeichnis für Graphik (Hg. Klaus Werner).

 

2001 bisher größte Stahlarbeit „Spannung“; 2002 Kemberger Altar für die Kunstsammlungen des Bistums Würzburg; 2003 Flügelaltar und Stahlplastik im Diözesan-Museum, Würzburg; 2004 Gewinn des Plastikwettbewerbes von Biocity Leipzig; 2006 Kunstpreis der Stiftung Christliche Kunst in Wittenberg, Lebt in Einsiedel bei Chemnitz

 

 

Gerhart Schreiter

(* 20.08.1909 in Buchholz/Erzgeb. + 27.04.1974 in Bremen)

 

Er studierte an den Kunsthochschulen Düsseldorf und Berlin und wurde 1950 erster Georg-Kolbe-Preisträger. 1956 wurde er als Leiter der Abteilung Plastik an die Staatliche Kunstschule in Bremen berufen.

 

Gerhart Schreiter hat eine Reihe kirchlicher Aufgaben gelöst: in Berlin, Bremen, Hannover, Essen und Bremerhaven. Schreiter gestaltete für die Apsis der 1964 aus Kriegszerstörung wieder aufgerichteten Kirche den leidenden und erhöhten Christus. Das Haupt des Dulders in edler Haltung und Bewegung, das Erlebnis des Leidens mit voller Souveränität und innerer Freiheit auf sich nehmend.

 

 

 

Vadim Sidur

(* 26.Juni 1924 in Dnjepropetrovsk + 24.Juni 1986 in Moskau)

 

Vadim Sidur gehört heute zu den bedeutendsten russischen Nachkriegsbildhauern der alternativen Kunstszene in Moskau. Er zeichnet sich formal durch Orientierung an archaischen, stark verallgemeinernden und in der Tradition der klassischen Moderne stehenden Schaffensprinzipien aus. Als Künstler, der zeitgenössische Themen schonungslos zur Sprache bringt, wurde Sidur besonders durch die Assemblagen der neuen Propheten aus Eisen sowie durch Werke der Sarg-art zu einem ernst zu nehmenden Dialogpartner in der künstlerischen Auseinandersetzung um existentielle Probleme unserer Zeit.

 

Seit Ende der sechziger Jahre tauchen in seinem Werk vermehrt Motive des Alten und Neuen Testaments auf, die vor allem die Befindlichkeit der menschlichen Kreatur angesichts zunehmender Bedrohung durch wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Experimente themarisieren.

 

Der Festakt zur Übergabe der Skulptur "Antlitz“ (1971) erfolgte im Beisein des Bischofs, Dr. Wolfgang Huber am 2. Mai 2001 am Bestimmungsort, der St. Matthäus-Kirche im Kulturforum. Die Skulptur ist damit eines der ersten Sammlungsstücke der Kunst- und Kulturstiftung St. Matthäus .

 

 

 

"Antlitz", Vadim Sidur, 1971, 48x26x7cm, Aluminium
Michael Morgner, 'Kreuz', Bronze, 2005 im Hintergrund rechts und Altarbild 'Auferstehung' Mischtechnik auf Leinwand; im Vordergrund 'Ambo' von Madelaine Dietz, Stahl/Ton; 2003
"Gekreuzigter" von Gerhard Schreiter, 1960
"Antlitz", Vadim Sidur, 1971, 48x26x7cm, Aluminium

"Antlitz", Vadim Sidur, 1971, 48x26x7cm, Aluminium

Michael Morgner, 'Kreuz', Bronze, 2005 im Hintergrund rechts und Altarbild 'Auferstehung' Mischtechnik auf Leinwand; im Vordergrund 'Ambo' von Madelaine Dietz, Stahl/Ton; 2003

Michael Morgner, 'Kreuz', Bronze, 2005 im Hintergrund rechts und Altarbild 'Auferstehung' Mischtechnik auf Leinwand; im Vordergrund 'Ambo' von Madelaine Dietz, Stahl/Ton; 2003

"Gekreuzigter" von Gerhard Schreiter, 1960

"Gekreuzigter" von Gerhard Schreiter, 1960

Micha Ullman

(* 1939 in Tel Aviv, Israel)

 

Am Anfang stand die Einladung der Stiftung St. Matthäus, die mit dem Brief des Direktors Christhard-Georg Neubert vom 22. November 2007 an Micha Ullman herangetragen wurde. Die darin aufgeworfene Frage ging an die Grenze. Würde Micha Ullman bereit sein, auf die vertrackte und in der Vergangenheit selten geglückte Beziehung zwischen Christen und Juden mit einem künstlerischen Zeichen zu antworten, das den Ansatz einer Brücke bilden könnte, die über die Abgründe der durch christlichen Antijudaismus aufgerissenen Gräben hinwegführt? Zu unserer großen Freude kam es bereits im Frühjahr 2008 zur ersten Begegnung mit Micha Ullman in der St. Matthäus-Kirche. Im Herbst desselben Jahres erklärte er sich bereit, die Einladung anzunehmen. Fast auf den Tag genau fünf Jahre danach ist die Arbeit vollbracht.

Engagierte Einzelpersonen, Stiftungen und Institutionen haben sich gewinnen lassen und sich an der Finanzierung der Arbeit beteiligt.

Mit der öffentlichen Übergabe des Kunstwerkes ›Stufen‹ am 29. November 2012 wurde unter gleichlautendem Titel die Ausstellung mit sieben Sand-Zeichnungen eröffnet. Micha Ullman hat sie gleichsam als eigenständigen Kommentar zu seiner Bodenskulptur geschaffen. Jede Zeichnung steht für einen Tag in der göttlichen Schöpfung, bezeugt im hebräischen Teil der Bibel. Die siebente Arbeit, das einzige Hochformat des Zyklus, trägt den Titel »Shabbat« und bietet gleichzeitig Raum für Interpretationen, die an den gestorbenen und auferstandenen Christus denken lassen – bezeugt im Neuen Testament. "Begegnen

wir Micha Ullman auch hier als Brückenbauer?“ (Christhard-Georg Neubert, 2012)

 

„Die sieben folgende Zeichnungen stehen für die sieben Tage der Woche. Sie variieren das Motiv der Stufen aus verschiedenen Perspektiven. Die siebte, Shabbat, zeigt im Hochformat die Sicht von oben. Die Abdrücke der Gläser im Sand, die während des Arbeitsprozesses verschoben wurden, bilden die Form eines Kreuzes. In diesen Zeichnungen fixiert Micha Ullman den roten Sand in aufeinander folgenden Phasen in

verschiedenen Konzentrationen und Feuchtegraden auf dem Papier – ein Verfahren, das er entwickelt hat und seit Jahren immer wieder verändert und erweitert.“ (Matthias Flügge, 2012)