Stiftung St. Matthaeus

Kunstgottesdienst "Mein Psalm" 2003

Psalmcollage von Durs Grünbein zu Psalm 127

Predigt: Bischof Dr. Wolfgang Huber
Liturgie: Pfr. Pfarrer Christhard-Georg Neubert
Lesungen: Ann Vielhaben, Durs Grünbein
Musik: Wiebke Heidemeier, Viola; Performance „Chronos“ von Hanna Frenzel; Prof. Stefan Schuck, musikalische Leitung und Orgel.


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Psalm 127

1 Von Salomo, ein Wallfahrtslied.
Wenn der HERR nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,
so wacht der Wächter umsonst.
2 Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht
und hernach lange sitzet
und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
3 Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN,
und Leibesfrucht ist ein Geschenk.
4 Wie Pfeile in der Hand eines Starken,
so sind die Söhne der Jugendzeit.
5 Wohl dem, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat!
Sie werden nicht zuschanden, wenn sie mit ihren Feinden verhandeln
im Tor.


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Collage zum Psalm 127
Durs Grünbein, 2003


Wenn nicht der Herr das Haus baut,
Laßt gut sein, ihr baut dran umsonst.
Wenn nicht der Herr wacht über die Stadt,
umsonst hält dort Wache der Posten.
Vergeblich ist Aufstehn in aller Frühe,
Bis in die Nacht zu hocken, vergeblich,
das Brot zu essen der harten Arbeit.
Denn den Seinen gibt Ers im Schlaf.

Kinder sind eine Gabe des Herrn,
sein ist des Leibes Frucht, ein Geschenk..
Wie Pfeile fest in der Hand des Kriegers,
sind Söhne, in ihrer Jugend erstarkt.
Selig, wes Köcher voll ist mit solchen.
Nur er schlägt die Feinde draußen vorm Tor.

Und doch stehn da Wolkenkratzer und fallen
So leicht wie ein Feuerzeug schnappt.
Kein Leib bleibt ungefilzt da am Airport,
Radarschirme bewachen den Himmel.
Auf dem Aktienmarkt zählt die Sekunde.
Vorm Mittagstisch sind Millionen verdient.
Wer spricht von Brot, wo es Hummer gibt?
Ungleich sind Traum verteilt, Schlaf.

Kinder zeugt man heut im Labor,
keinem gehört er, der Säugling im Müll.
Die Knie hart vom Beton der Stadt,
In Rudeln wächst frische Jugend heran
Für die Flugzeugträger von morgen.
Aber freundlich dort – abseits wer ist`s?


© Durs Grünbein